Modell Klassenassistenz an der Grundschule in Wesendorf

veröffentlicht: am 27.06.2019     Presseinformation

Schulbegleiter oder auch Integrationshelfer unterstützen Kinder mit körperlicher, geistiger oder seelischer Behinderung im schulischen Alltag. Sie sind eine häufig auch langfristig eingesetzte Unterstützungsleistung der Sozial- bzw. der Jugendhilfe.

Seit dem Jahr 2012 steigt der Bedarf an Schulbegleitungen und die damit verbundenen Kosten im Kreis Gifhorn kontinuierlich. Gleichzeitig hat sich der Verwaltungsaufwand für die Bewilligung, Hilfeplanung und Abrechnung in einem erheblichen Maße erhöht.
Zudem ist das System „Schule“ durch die stetig steigenden Anforderungen gekennzeichnet. So gibt es heutzutage eine Vielzahl unterschiedlicher Professionen, die innerhalb einer Schule tätig sind, die Schule ist zu einem Ort multiprofessioneller pädagogischer Kompetenz geworden (Lehrerinnen und Lehrer der Regelschulen, Sonderpädagogen der schulischen Erziehungshilfen und Förderzentren, Schulbegleitungen, Integrationshelfern, Schulsozialarbeiter und Schulassistenten, Mitarbeiter des offenen bzw. gebundenen Ganztages etc.).
Aufgabe der Schule ist es daher, diese verschiedenen Verantwortungsbereiche bzw. Hilfeleistungen möglichst wirksam zu kombinieren und zu koordinieren um einen gelingenden Schulbesuch zu ermöglichen.
Die umfassenden Bemühungen, zusätzliche Mittel/Kräfte in Schule zu bündeln, und der daraus resultierende erheblich gestiegene finanzielle Aufwand hat dabei aus Sicht der beteiligten Fachleute leider nicht im selben Maße auch zur qualitativen Verbesserung der schulischen Teilhabe der betroffenen Kinder und Jugendlichen geführt.
Mit dem nun zum Schuljahresbeginn startenden Modell für die ersten Klassen der Grundschule am Lerchenberg in Wesendorf setzt der Landkreis Gifhorn (Fachbereich Jugend , Fachbereich Soziales und Fachbereich Gesundheit), gemeinsam mit der Landesschulbehörde Niedersachsen, der beteiligten Schule und den mit der Leistung beauftragten Trägern „Stiftung Leben leben“ sowie „Paritätischer Wohlfahrtsverband Helmstedt“ dieses neue Konzept modellhaft um.
Dies geschieht im Rahmen des Projektes „Klassenassistenzen“.
Ab dem ersten Schuljahr werden dann für die gesamten Klassen der Jahrgangsstufe 1 sogenannte Klassenassistenzen für alle Schüler der jeweiligen Klassen zuständig sein.
Ziele dieses Modelles sind u. a.:


1.  Kinder nehmen frei von Stigmatisierung eigenständig und selbstbestimmt am Unterricht teil.
2.  Kinder müssen sich keinen Begutachtungen mehr unterziehen um Zugang zum Hilfesystem zu erreichen.
3.  Die Schule entscheidet eigenständig über den Einsatz der Ressourcen in Zusammenarbeit mit den vor Ort tätigen Trägern
4.  In den Fachbereichen Jugend und Soziales sinken mittelfristig die Kosten sowie der Verwaltungsaufwand.
5.  Die Arbeit der unterschiedlichen Fachrichtungen (Schule, Jugendhilfe, Sozial-hilfe, Gesundheit) wird durch strukturiertere Zusammenarbeit im Sinne der betroffenen Kinder verbessert.
6.  Das Modell macht nach Abschluss „Schule“ im Landkreis Gifhorn und zeigt auf, wie grundsätzliche Kooperation zwischen den unterschiedlichen Akteuren künftig gut gelingen kann.


Das Modell wird von der Technischen Universität Braunschweig wissenschaftlich über die 4 Jahre währende Laufzeit begleitet und Thema einer Promotion werden. Ziel der Wissenschaftler ist, die Schule bei der Umsetzung des Projektes zu unterstützen und darüber hinaus Erkenntnisse zu gewinnen, die eine generelle Aussagekraft besitzen, welche Gelingensfaktoren einem Inklusionsprojekt zum Erfolg verhelfen.
Darüber hinaus ist der Landkreis Gifhorn eine Kooperationskommune im Bundesmodell „Schulische Teilhabe gestalten – trotz/mit/durch Schulbegleitung?!“.


Für eventuelle Rückfragen stehen den lokalen Medien
im Fachbereich Jugend Herr Nowotschyn (christoph.nowotschyn(at)gifhorn.de),
im Fachbereich Soziales Frau Branka (christina.branka(at)gifhorn.de),
im Fachbereich Gesundheit Frau Franke (barbara.franke(at)gifhorn.de)
sowie Herr Jörg Bratz als Schulleitung der Grundschule am Lerchenberg zur Verfügung.